Mai 2007
110 Jahre Strassenbahn ULM/NEU-ULM - Kurzer historischer Überblick
Am 15.Mai 1897 wurde die Strassenbahn im württembergischen Ulm grenzüberschreitend bis in die bayerische Schwesterstadt Neu-Ulm -getrennt durch die Donau- eröffnet. 1997 hat man das 100-jährige Jubiläum gebührend gefeiert. Nun im Jahre dieses Beitrags -2007- gibt es die Ulmer Strassenbahn bereits 110 Jahre. Der Combino löste 2003 die alte Fahrzeug-Generation ab, zuletzt waren es GT4-Wagen aus Reutlingen, welche größtenteils in Rumänien eine neue Verwendung fanden.
Bei der Eröffnung der Strassenbahn 1897 gab es folgende Linien:
RINGLINIE: Strassenbahnhalle Olgastrasse-Olgastrasse- Bhf Ulm-Bahnhofstrasse-Hirschstrasse-Münsterplatz-Lange Strasse-Frauenstrasse.
ULM/NEU-ULM-LINIE: Bhf Ulm-Bahnhofstrasse-Hirschstrasse-Münsterplatz-Herdbruckerstrasse- Ludwig-Wilhelm-Brücke - Donauinsel-Marienstrasse-Augsburger Strasse-Ludwigstrasse-Bahnhof Neu-Ulm.

Ab 20.Oktober 1900 kam die PLATZGASSENLINIE hinzu: Münsterplatz-Platzgasse-Syrlinstrasse-Karlstrasse-Stuttgarter Tor.

Ab 25.Juni 1904 gab es Linien-Nummern wie folgt:
1.LINIE: Bhf Ulm-Olgastrasse-Frauentor-Olga-/König-Wilhelm-Strasse
2.LINIE: Bhf Ulm-Bahnhofstrasse-Hirschstrasse-Münsterplatz-Lange Strasse-Frauenstrasse-Frauentor
3.LINIE: Bhf Neu-Ulm- Ludwig-Wilhelm-Brücke - Herdbruckerstrasse-Münsterplatz-Platzgasse-Syrlinstrasse-Karlstrasse-Stuttgarter Tor

Ab 18.Oktober 1906 (nach der Eingemeindung des heutigen Ortsteils Söflingen 1905 erhielt dieser als Zugeständnis und Gegenleistung der Stadt Ulm neben der Kanalisation u.a. auch den Strassenbahn-Anschluss) gab es folgende Linien:
1.LINIE: Olga-/König-Wilhelm-Strasse-Frauentor-Bhf Ulm-Münsterplatz- -Ludwig-Wilhelm-Brücke- Bhf Neu-Ulm-
2.LINIE: Frauentor-Lange Strasse-Münsterplatz-Platzgasse-Syrlinstrasse-Karlstrasse-Stuttgarter Tor
3.LINIE (SÖFLINGEN-LINIE): Münsterplatz-Hirschstrasse-Glöcklerstrasse-Zinglerstrasse-Beyerstrasse-Wagtnerstrasse-Söflinger Strasse- ev.Christuskirche.
Diese Linie wurde am 19. Dez. 1907 bereits bis zum Söflinger Gemeindeplatz verlängert (eingleisig ohne Schleife). Endet heute an der Leonhardskapelle (Schleife und zweigleisig).

Am 29.Oktober 1927 NEUE LINIEN-NUMMERN und Linienführungen:
LINIE 1 : Stuttgarter Tor-König-Wilhelm-Strasse-Olgastrasse-Frauenstrasse-Lange Strasse-Münsterplatz-Glöcklerstrasse-Zinglerstrasse-Beyerstrasse-Wagnerstrasse-Söflinger Strasse-Söflinger Gemeindeplatz
Ab 18.Dez. 1927 verlängert: Stuttgarter-/Heidenheimer Strasse (Klinik)-Ostplatz-König-Wilhelmstrasse (dann wie o.a.)
Ab 29.April 1928 geändert: Park Friedrichsau-Talfinger Strasse-Olgastrasse (sonst wie o.-a. bis Söflingen Gemeindeplatz)

Ab 17.Dez.1944 (Alliierte Luftangriffe auf Ulm mit schweren Zerstörungen): Vorübergehende Betriebseinstellung.
Bereits ab 24.Dez.1944: Biormarckring-Wagnerstrasse-Söflinger Strasse-Söflinger Leonhardskapelle
Weitere Betriebseinstellungen während des Krieges. Im Oktober 1945 Heidenheimer Strasse (Klinik-Ostplatz (s.o.) bis Söflingen Gemeindeplatz. Im Zuge des Wiederaufbaus wechselnd: 1955: Friedrichsau(Stadion)-Olgastrasse...Söflingen. 1958: Safranberg/"Glockenhütte"-Heidenheimer Strasse (Klinik)-Ostplatz-König-Wilhelm-Strasse-Olgastrasse-Frauenstrasse-Neue Strasse-Münsterplatz-Glöcklerstrasse-Zinglerstrasse-Bismarckring-Wagnerstrasse-Söflinger Strasse-Söflinger Gemeindeplatz.
15.August 1964: Stadion Friedrichsau-Berliner Platz-Olgastrasse-Hbf-Zinglerstrasse-Bismarckring-Wagnerstrasse-Söflinger Strasse-Söflinger Leonhardskapelle mit Endschleife dort
Ab 29. Mai 1967 statt über Zinglerstrasse/Zinglerbrücke-Bismarckring nun Hbf-EHINGER TOR-Wagnerstrasse...
Ab 14. April 1980: Verlängerung von Stadion Friedrichsau bis Donauhalle.

LINIE 2: Ab 29. Okt. 1927 Bhf Neu-Ulm-Ludwigstrasse-Marienstrasse-Ludwig-Wilhelm-Brücke-Herdbruckerstrasse-Münsterplatz-Hirschstrasse-Bahnhofstrasse-Bhf Neu-Ulm.
17. Dez.1944: Betriebseinstellung wegen Zerstörung durch alliierte Luftangriffe. LINIE WURDE NICHT WIEDER AUFGEBAUT.
LINIE 3: Ab 29. Okt.1927 Stuttgarter Tor-Karlstrasse-Syrlinstrasse-Platzgasse-Münsterplatz
Ab 18. Dez. 1927 verlängert bis Stuttgarter-/Heidenheimer Strasse (Klinik)
Am 1. Sept. 1939 BETRIEBSEINSTELLUNG .
LINIE 4: 29. Okt. 1927 Friedrichsau-Olgastrasse-Bhf Ulm
29. April 1928 Stuttgarter-/Heidenheimer Strasse (Klinik)-König-Wilhelmstrasse-Olgastrasse-Bhf Ulm
15. Juli 1928 Verlängerung Bhf Ulm-Friedrich-Ebert-Strasse-Zinglerstrasse-Hasslerstrasse-Römerstrasse
17. Dez. 1944 Betriebseinstellung wegen Zerstörung
Wiederaufbau. Nach div. Änderungen größte Länge ab 6. Dez. 1951: Steinhövelstrasse-Heidenheimer Strasse (Klinik)-Ostplatz-König-Wilhelm-Strasse-Olgastrasse-Frauenstrasse-Neue Strasse-Münsterplatz-Glöcklerstrasse-Zinglerstrasse-Hasslerstrasse-Römerstrasse-Kaserne Kuhberg.
Ab 26.April 1958 Verkürzung: Stadion-Berliner Platz-Olgastrasse-Hbf-Zinglerstrasse usw. bis Kaserne Kuhberg (1964-kurz vor Einstellung der Linie 4-Variante Zinglerstrasse-Schillerstrasse-Birmarckring-Wagnerstrasse-Westplatz)
Am 14. August 1964 Betriebseinstellung.

Parallel zur Strassenbahn hatte Ulm stets zahlreiche Buslinien, die hier nur kurz angedeutet werden: Linie 2E Eselsberg-Universität (Süd)-Bundeswehrkrankenhaus
Linie 3 Eichenplatz-Mähringer Weg bzw. Hbf-Tannenplatz bzw. Bhf Neu-Ulm-Pranger bzw. Wiley-Nord-Pranger bzw. Wissenschaftsstadt Fachhochschule-Wiblinger Ring-Kemptener Strasse.
LINIE 4: Schillerstrasse-Kaserne Kuhberg bzw. Neu-Ulm Marienstrasse-Kuhberg bzw. Gänsturm-Hochsträss bzw. Ulmer Rathaus-Hochsträss bzw. Böfingen Ostpreussenweg-Hochsträss.
Von 24. Mai 1947 bis 17.März 1963 besass Ulm eine O-Bus-Linie: Ab 1947 verkehrten O-Busse zwischen Bhf Neu-Ulm und Zundeltor Ulm.
Zuletzt (ab 1956) bedienten sie die Fahrgäste zwischen den Haltestellen Berliner Platz-Bhf Neu-Ulm-Bismarckring-Zinglerstrasse-Hbf Ulm-Kienlesbergstrasse-Mähringer Weg-Weinbergweg-Mähringer Weg (Eselsbergschleife).
Weitere Buslinien: Linie 6 Innenstadt Ulm bis Eselsberg
Linie 7 u.a. Ulmer Innenstadt-Neu-Ulm-Neue Ludendorff-Kaserne/Vorfeld/Ludwigsfeld bzw. ab 1.Okt. 1970 Friedhof Ulm-Neu-Ulm-Berliner Platz
Linie 8/8E/9/10/DSC0988011/12/13/14/18 (siehe www.swu-verkehr.de).
In diesem Zusammenhang verweisen wir auch auf das Buch von Herrn Daniel Riechers: "100 Jahre Strassenbahn Ulm/Neu-Ulm" (Südd.Verlagsgesellschaft Ulm).
Einzusehen auch im Archiv alphacam/AVM "bahnVideo im bahnVerlag Roland Kleinhempel/Blaustein" www.alphacam-video.de (falls vergriffen).
FOTO: TW9/IV Sammlung Pinnel


Verlängerung der Strassenbahn-Linie 1 in Ulm: Beitrag der Regionalen Planungsgruppe Böfingen
Die Regionale Planungsgruppe Ulm-Böfingen (Sprecherin Frau Dr.Rottraud Schäfle) teilt zum Thema mit:
"Der Bau der Strassenbahn nach Böfingen wird noch in diesem Jahr begonnen, für Böfingen ein Fortschritt! Den w e s t l. Teilen Böfingens bringt diese jedoch außer weniger Gedränge im Bus nichts. Der Westen Böfingens (Eichenplatz, Eichberg, Albecker Steige, Safranberg und Ludwig-Beck-Strasse) ist nur mit kompliziertem Umsteigen an das Einkaufszentrum angeschlossen. Bewohner aus diesen Gebieten und aus dem Bereich des Böfinger Wegs wünschen, dass eine direkte ÖPNV-Verbindung zum EK-Zentrum bereitgestellt wird. Beispielsweise könnte der Bus Nr.4 an der bestehenden Wendeschleife im EK-Zentrum Haslacherweg enden und nicht - wie vorgesehen- am Recyclinghof (Egertweg).
Dies hätte mehrere Vorteile: 1. Der Bau der Wendeschleife würde unterbleiben (Kostenersparnis). 2. Das EK-Zentrum kann von den vielen Bewohnern aus dem Westen Böfingens profitieren. 3. Die Bewohner dieser Gebiete wären -ohne Auto- ausreichend versorgt. 4. Das geplante Altenheim, die Altenwohnungen, die Kirchen und der Böfingerweg wären ausreichend an den ÖPNV angeschlossen. Eine Unterschriftenaktion zur Durchsetzung dieses Anliegens ist geplant."
Unterschrift: Regionale Planungsgruppe Böfingen
Streckenplan Ulmer Strassenbahn (zum Beitrag: Meilenstein in Ulm)
linie1_neue_trasse_feb07Neu geplante Trasse
linie 1 swu ulm Frühere Linien (schwarz)/Verbliebene rot
Meilenstein durch Verlängerung der Straßenbahnlinie in U L M
Eine Zusammenfassung ist nur möglich, wenn Permalinks aktiviert sind.

DSC09862

Foto: alphaCam/AVM 12.5.2007 RKl



Die Weichen sind gestellt, die Beschlüsse durch den Ulmer Gemeinderat gefaßt: Ulms derzeit einzige Straßenbahn-Linie 1 zwischen dem Stadtteil Söflingen im Westen und dem Messegelände in der Friedrichsau im Osten (über den Hauptbahnhof) beträgt 5,5 km und wird nun auf rd. 10 km verlängert bis ans Nordostende des Stadtteils Böfingen. Die Bauarbeiten sollen schon bis Ende 2008 bewältigt sein. Weitere Linien sollen folgen - ein langer Prozess in der Ulmer Kommunalpolitik und nach langen Diskussionen u. Abstimmungen auch in der Bürgerschaft. Hatte man sich noch vor gut 10 Jahren eigentlich auf den Bus eingeschworen und bereits Konzepte für den Ausbau der Buslinien und die Abschaffung der Straßenbahn ("Funka-Chaisse" oder "Funka-Schäs" auf gut Schwäbisch: Die Funken-Karre o.ä.) entwickelt, so siegte letztlich die Vernunft: Straßenbahn u n d Bus sollen sich auf wirtschaftliche, sinnvolle Weise ergänzen, zumal die jetzt anstehende Verlängerung der Straßenbahntrasse auf einer aufgelassenen Trasse entlang einer längst vorhandenen Steigungs-Straße geschieht. Ulm hat den Combino seit dem 27.Juli 2003 im Einsatz (8 Einheiten). 2 Einheiten werden noch zusätzlich beschafft, um den Takt auf der dann fast doppelt so langen Strecke zu halten.
Zuletzt fuhren durchwegs GT4 (Reutlinger) auf der Ulmer Linie 1.
Vor dem Kriege hatte Ulm durchaus mehrere Linien, ein dichtbefahrenes Netz auch zum bayerischen Neu-Ulm hinüber. Wer die Region nicht kennt: Ulm (Baden-Württemberg) mit dem spätgotischen Münster (höchster Kirchturm der Welt mit 161,5 m), Universitätsstadt und Neu-Ulm (Bayern), Hochschulstadt, sind Partner-oder Schwesterstädte, nur durch die Donau getrennt.
In loser Folge werden wir die Geschichte der interessantesten Straßenbahnen deutscher Städte vorstellen, so auch Ulm in den nächsten Wochen.

Weitere Infos: www.swu.de oder www.swu-verkehr.de

Hinweis auf unseren Videofilm Nr. 14: 100 J. Straßenbahn in Ulm/Neu-Ulm (histor.Aufnahmen m.Ulm vor der Zerstörung). Zuletzt GT4-Betrieb. 60 Min. Mit Zusatzfilmen (30 Min) über die Straßenbahnen in Straßburg/Freiburg/Karlsruhe als positive Beispiele. Dieser Film erschien im Buchhandel zur Zeit, als in Ulm die Tendenz zu erkennen war, die Straßenbahn abzuschaffen (GT4-Ära). Unser Filmbeitrag wurde Oberbürgermeister Ivo Gönner (SPD) und allen Fraktionsvorsitzenden im Rathaus Ulm überreicht mit dem Hinweis, sich doch einmal die gezeigten Verkehrsbetriebe anderswo anzusehen und sich von der Wichtigkeit des schienengebundenen Verkehrs zu überzeugen. Das ist geschehen! Man bereiste u.a. diese Städte. Die Ulmer Straßenbahn blieb bestehen. Mit der Beschaffung des "Combino" 2003 begann ein neuer Siegeszug der Straßenbahn in Ulm. Wir sehen in unserem Filmbeitrag auch einen Beitrag zur kommunalpolitischen Willensbildung,denn es ist ganz sicher etwas bewegt worden.

Der Fahrzeugpark der SWU Verkehr Ulm heute: (Stand 2006)
Straßenbahnen: 8 Wagen, Typ "Combino" NGT 6 UL (100% Niederflur)
Busse: 70 (86% Niederflur)
davon: 19 Standardlinienbusse Niederflur
davon: 35 Gelenkbusse Niederflur
davon: 6 15-Meter-Linienbusse Niederflur

Neuer Betriebshof: Erbaut März 1996-September 2002 mit 40.000 qm Grundfläche (43 Mio EURO)
1 Wagenhalle für alle Linienfahrzeuge inkl. Wasch-u. Tankanlagen
1 Zentralwerkstatt: 16 Arbeitsstände (12 Bus, 2 Tram, 2 Pkw u. Kleinlastwagen)
Zentrallager, Lackiererei, Schreinerei, Spenglerei, Schlosserei, Elektronikwerkstatt
1 Bürogebäude für ca. 40 Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter und Betriebsleitstelle