Bahnprojekt Neu-Ulm 21 - Einweihung des Troges am 17.März 2007 -
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Ein verkehrspolitischer Meilenstein für die Stadt Neu-Ulm ist gesetzt. Ein gutes Beispiel für die Kooperation zwischen Kommunal-, Landes-und Bundespolitik in Zusammenarbeit mit der DB AG könnte es sein - zumal die gewaltige technische Leistung völlig im Zeitplan liegt, auch dank milden Winters 2006/2007: Der Bahnverkehr durch Neu-Ulm (Kursbuchstrecke 900) verläuft
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seit dem 17.März in einem TROG. Der alte Bahnhof wird derzeit abgerissen, die oberirdischen Schienen werden entfernt, das alte Stellwerk verschwindet.
Seit 17.März sind die beiden Regionalgleise freigegeben. Die beiden Fernverkehrsgleise daneben lassen noch auf sich warten. Die IC / ICE verkehren also noch einige Zeit auf den Regionalgleisen. 2 Bahnsteige also in modernstem Design. Der Trog wird jeweils durch ein kurzes Tunnelstück erreicht/verlassen. Oberirdisch steht ein neues elektronisches Stellwerk (ESTW), vollautomatisch. Der westliche Bahnsteigbereich ist mit einem Schutzdach versehen.
Der Trog ist nach oben geöffnet. Knapp 300 Meter ist er lang und von beiden Enden her über Treppen erreichbar. Am Westende sind zusätzlich Aufzüge installiert. Dort, oberirdisch, werden demnächst Kioske und der Taxistand zu finden sein.
Das "Bahnprojekt Neu-Ulm 21" soll bis Dezember 2007 fertiggestellt sein. Interessant ist die Zugdichte jetzt nach der Eröffnung der ersten beiden Gleise, denn Regionalzüge aus Ulm Richtung Augsburg bzw. Memmingen/Kempten und umgekehrt kommen zuhauf, dazwischen rauscht der Güterverkehr durch den Trog und die Fernverkehrszüge (ICE/IC usw.) mischen sich dazwischen.

Der 1.Zug sollte ein Regionalzug sein, angekündigt für den 17.3./16:15 Uhr aus Richtung Ulm. Durch Stromstörungen in Ulm Hbf lief fast 2 Stunden nichts. Kurz zuvor waren die ersten Weichen zum Trog "angeschwenkt" worden, wurde der oberirdische Verkehr abgekoppelt. Hunderte Bürger warteten dann gespannt in der Kälte. Dann gingen sie enttäuscht nachhause. Unser Filmteam und einige Journalisten harrten aus. Dann kam der erste Zug, ein ICE 3, der den Trog Richtung München befuhr - um 17Uhr 40. Er ist hier im Forum abgebildet-ein bahnhistorischer Augenblick für Neu-Ulm und die Region.

Die politische Einweihung wurde am Sonntag, den 18.März 2007 vor Ort vollzogen: Bei einer entsprechenden Feier sprachen der Bayerische Staatsminister Erwin Huber (u.a. Verkehr u.Wirtschaft), Staatsministerin (Justiz) Dr.Beate Merk (als ehem.Oberbürgermeisterin von Neu-Ulm die "Geburtshelferin" des Projekts), OB Gerold Noerenberg, Dagmar Haase u. Klaus-Dieter Josel, beide DB AG.Sie betonten die Bedeutung des Troges für den wichtigen Bahnkorridor Stuttgart-Ulm-Augsburg-München und die künftige Verkehrsentwicklung auf der Schiene.

Neu-Ulm gewinnt wertvolles Bebauungsland auf dem "Deckel" und auf dem freiwerdenden ehemaligen oberirdischen Bahngelände, welches samt Rangiergleisen einst mehrere Kilometer lang war.

Seit Baubeginn im Sept. 2003 wurden auf der rd. sechs Kilometer langen Großbaustelle ca. 135.000 cbm Beton u. 12.000 t Stahl verbaut. Es wurden rd. 600.000 cbm Erdmassen bewegt und über 16km Neugleis verlegt.

Besonders wichtig sind die Schallschutzwände entlang der neuen oberirdischen bzw. tiefergelegten Trasse (immerhin auf 8 km Länge).
Denn in Gleisnähe werden Wohnungen und Bürogebäude entstehen (Planung noch nicht abgeschlossen). Durch die Schallschutzdämmung bestand einst auch die Gefahr, dass der schöne Blick von der Donaubrücke auf das Ulmer Münster eingeengt würde. Die Schutzwand begleitet den Reisenden zwar nun auch auf der Donaubrücke zwischen Ulm und Neu-Ulm. Aber sie ist transparent gehalten worden. Ein tragbarer Kompromiss, wie wir meinen.

Derzeit sind noch längere Fußwege zur neuen Haltestelle (es ist ja kein typischer Bahnhof mehr) in Kauf zu nehmen. Noch herrscht ringsum Baustellenbetrieb. Alle Beteiligten bitten die Reisenden um Verständnis.

Neben Lob hörte man zu Beginn des Betriebes auch folgende Kritik: Da das Schutzdach im östl. Bahnsteigbereich der Regionalgleise völlig fehlt,
(im Westbereich vorhanden), sind Reisende Richtung Augsburg/Kempten der Witterung ausgesetzt, da lange Regionalzüge im Ostbereich halten.


Roland Kleinhempel
Freiberuflicher Redakteur
Fotos: R.Kleinhempel
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